Einleitung
Nach dem zweiten Weltkrieg war die Sicherstellung der Wasserversorgung der Region an der westlichen Côte d'Azur eine vordringliche Aufgabe. Hintergrund waren landwirtschaftliche Bedürfnisse, Bevölkerungswachstum und die steigende touristische Bedeutung.
Aufgrund vorhergehender Studien anderer Staudammprojekte wurde am 03. August 1950 durch das Ministerium für Landwirtschaft die Entscheidung getroffen, im Tal des Reyran etwa 10 km nördlich von Frejus einen Damm zu bauen.
Am 01. April 1952 begannen die Bauarbeiten für den Staudamm. Die Flutung begann dann mit im Herbst 1954, die vorläufige Abnahme erfolgte durch den Präfekten des Departements Var am 09. Februar 1955.
Das aufgestaute Wasser wurde hauptsächlich zur Versorgung der Städte in der Küstenregion, aber auch zur Bewässerung der Agrarflächen genutzt. Der Stausee hatte ein Volumen von etwa 50 Millionen Kubikmetern, von denen etwa 25 Millionen bei normalem Füllstand genutzt werden konnten, da sich die Wasserentnahem etwa auf halber Höhe der Mauer befand.
Die Bauart des Staudammes
Unterhalb des Zusammenflusses der Bueme und des Reyran liegt das Bett des Reyran zwischen zwei felsigen Hügeln. Diese Geländeform bestimmte die Form des Dammes, der als ein geqölbtes Bauwerk ausgeführt werden sollte.
Nach ausgiebigen Geländeuntersuchungen im Jahre 1952 unter der Leitung von Professor Corroy aus Marseille wurde der damals für seine Staudammbauten bekannte André Coyne mit dem Entwurf beauftragt. Coyne zeichnete bereits für etwa 100 Dämme in aller Welt verantwortlich.
Die Geländeuntersuchungen wurden für die Bauform eine Gewichtsstaumauer durchgeführt, aus Kostengründen fiel die Entscheidung aber dann für eine Bogenstaumauer. Der Unterschied bei den beiden Bauarten ligt in der Form, wie die auftretenden Kräfte abgeleitet werden. Während die Gewichtsstaumauer allein durch ihr Eigengewicht steht, stützt sich die Bogenstaumauer an den Talflanken ab.
Aufgrund des weicheren Felsuntergrundes auf der linken Uferseite entschied man sich, hier ein festes Widerlager von 10m Höhe am oberen Rand der Mauer zu errichten. Auf der rechten Uferseite war eine solche Konstruktion nicht notwendig, hier konnte die Mauer gegen eine massiven Felsen abgestützt werden.
Die Staumauer hatte die folgenden Abmessungen:
- Breite am Fuss der Mauer: 6,90m
- Breite an der Mauerkrone: 1,50m
- Länge der Mauerkrone: 255,76m
- Höhe der Mauerkrone über dem Flussbett: 59,00m
- Volumen der Staumauer: 47.000 Kubikmeter Beton
- Verbaute Stahlarmaturen: ca. 70 Tonnen
- Kapazität des Stausees: 49.300.000 Kubikmeter
- Nutzbare Wassermenge: 24.560.000 Kubikmeter
- Kosten des Projektes: 4.871.000.000 Francs
Zur Entlastung des Staudammes wurde die Mauerkrone mit einem 40,97m breiten Überlauf ausgestattet.
Auf der linken Staudammseite wurde etwa 23m unterhalb der Mauerkrone eine Wasserentnahme eingebaut. An dieser wurde das Wasser durch ein Rohr von 0,90m Durchmesser durch den Damm geführt. Auf der Innenseite war das Rohr durch ein feines Metallgitter vor Verstopfungen geschützt, das bis an die Mauerkrone zu Reinigungszwecken heraufgezogen werden konnte. Die Wasserentnahme konnte durch einen metallischen Schieber verschlossen werden, der ebenfalls bist zur Mauerkrone heraufgezogen werden konnte.
Am Fuss der Staumauer war ein Auslass aus einem Metallrohr von 1,50m Durchmesser angebracht. Auf der Innenseite der Mauer wurde der Auslass von einem Schutzbau mit Gitterstäben aus Stahlbeton gegen Beschädigungen und Verstopfungen geschützt. Hier konnte der Auslass durch einen Schieber verschlossen werden, der bis an eine Wartungsplattform an der Mauerkrone hinaufgezogen werden konnte. An der Aussenseite befand sich eine Drosselklappe von ebenfalls 1,50m Durchmesser. Mittels dieser Drosselklappe konnte der Wasserausstoss reguliert werden. Im normalen Betrieb war der Grundablass verschlossen, nur wenn mehr Wasser in den See floss, als durch die Wasserentnahme abfloss, wurde der den Grundablass geöffnet. Zum Schutz vor einer Trichterbildung wurde unterhalb des Grundablasses ein Betonbecken gebaut, dessen Rand an der niedrigsten Stelle 0,50m hoch war, so dass immer Wasser in dem Becken war.
Die Staumauer wurde in 17 unabhängigen Abschnitten gebaut, die durch Dehnungsfugen miteinander verbunden waren. Die Abschnitte hatten eine Breite zwischen 11,38m und 13,88, die Fugen wurden innen durch flexible Kupferstreifen verschlossen.
Die Staumauer zeichnete sich durch eine grosse Eleganz aus. Tatsächlich war sie zu ihrer Zeit die dünnste Staumauer dieser Größe in Europa, trotzdem sollte sie den errechneten Belastungen standhalten.