Übersicht
Neben der Staatsbahn hat es im Gebiet des Großherzogtums weitere Kleinbahnen gegeben, meist unter Beteiligung der Gemeinden und auch des Staates. Die Betriebsführung lag zumeist bei der Staatsbahn, teilweise auch bei der jeweiligen Gesellschaft und bei beiden.
Ausserdem hatte die G.O.E. weitere Beteiligungen an Bahnunternehmen die nicht auf dem Gebiet des Großherzogtums lagen, die aber einen Anschluß an die Staatsbahn hatten. Dies war z.B. bei der Ankum-Bersenbrücker Eisenbahn der Fall.
Einige dieser Eisenbahnunternehmen bestanden nur kurze Zeit und wurden dann aufgelöst und von der G.O.E. übernommen.
Im einzelnen werden die folgenden Unternehmen kurz dargestellt:
- Kleinbahn Ocholt-Westerstede
- Essen-Löninger Eisenbahn
- Jever-Carolinensieler Eisenbahn AG
- Inselbahn Wangerooge
- Kreisbahn Cloppenburg
- Kleinbahn Lohne-Dinklage
- Butjadinger Eisenbahn
- Kleinbahn Zwischenahn-Edewecht (-Edewechterdamm)
- Kleinbahn Vechta-Cloppenburg
- Ankum-Bersenbrücker Eisenbahn
- Delmenhorst-Harpstedter Eisenbahn
- Bremen-Thedinghausener Eisenbahn
Kleinbahn Ocholt-Westerstede
Als die G.O.E. 1869 die Bahnlinie Oldenburg-Leer baute, führte diese an Westerstede vorbei. Aus der Gemeinde wurden schnell Stimmen laut, die für einen Anschluß an die Bahn votierten. Die Gemeinde gründete daraufhin eine Gesellschaft, die den Bahnbau und -Betrieb durchführen sollte. Vom Staat Oldenburg gab es einen Bauzuschuß. Am 1.9.1876 wurde dann die 750mm-spurige Kleinbahn eingeschränkt, am 1.10.1876 voll in Betrieb genommen.
Die Bahn diente hauptsächlich dem Personenverkehr, der Güterverkehr spielte eine nur untergeordnete Rolle. Die Gesellschaft hatte keinen eigenen Endbahnhof, vielmehr endete die Strecke mitten in der Stadt vor dem Gasthaus Oetken.
Um die Jahrhundertwende kamen seitens der G.O.E. Pläne für eine Bahnverbindung von Ocholt (Linie Oldenburg-Leer) nach Ellenserdamm (Strecke Oldenburg-Wilhelmshaven) auf. Daher wurde die Gesellschaft von der Staatsbahn übernommen und der Betrieb am 17.10.1904 eingestellt und die Gesellschaft aufgelöst. Direkt im Anschluß wurde die Strecke auf Regelspur umgebaut, am 1.11.1904 fand die Wiedereröffnung der Strecke statt. In diesem Zuge wurde auch ein eigener Bahnhof am Rande der Stadt Westerstede gebaut.
Die Ocholt-Westersteder Eisenbahn besaß drei kleine B-gekuppelte Dampflokomotiven sowie verschiedene Güter- und Personenwagen.
Essen-Löninger Eisenbahn
Jever-Carolinensieler Eisenbahn AG
Inselbahn Wangerooge
Eigentlich ist die Inselbahn Wangerooge keine eigene Gesellschaft, vielmehr gehörte sie der G.O.E. Die einzige Besonderheit lag darin, daß in den Wintermonaten der Betrieb nicht durch die G.O.E. geführt wurde, sondern durch die Gemeinde Wangerooge.
Am 03.07.1897 wurde die 3,5km lange Strecke vom Westanleger zum Dorfbahnhof in Meterspur eröffnet. In der Nähe des Westanlegers eröffnete die Kaiserliche Marine ein Jahr später einen eigenen Anleger, ebenfalls mit Bahnanschluß, der im Winter bei Bedarf auch für zivile Zwecke genutzt werden konnte. In den Westteil der Insel wurde 1900 eine knapp 2km lange Strecke eröffnet. 1904 folgte dann der Anschluß des mittlerweile vom Norddeutschen Lloyd erbauten Ostanlegers. Alle Anleger sind in Folge von Versandung oder Zerstörung durch Eisgang immer wieder repariert, verlängert und verlegt worden. Der Ostanleger wurde 1958 ganz aufgegeben, die Strecke hierhin bis 1960 abgebaut.
Der erste Bahnhof von Wangerooge befand sich mitten im Dorf, 1905 wurde der Bahnhof an den Rand des Dorfes verlegt, wo er sich noch heute befindet. Die damals erbaute Bahnsteighalle wurde im zweiten Weltkrieg zerstört und wurde nicht wieder aufgebaut.
Bedingt durch die strategisch wichtige Lage vor dem Marinestützpunkt Wilhelmshaven spielte das Militär von Anfang an eine wichtige Rolle. Bis zum Ende des zweiten Weltkrieges waren die Dünen gespickt mit Geschützen und Bunkern, von denen viele über eigene Gleisanschlüsse verfügten.
Das Verkehrsaufkommen wurde anfangs durch kleine B-Kuppler bewältigt, später kamen C-gekuppelte Maschinen dazu, im zweiten Weltkrieg auch verschiedene Beutelokomotiven. Nach dem zweiten Weltkrieg tauchten dann die ersten Diesellokomotiven auf Wangerooge auf.
Kreisbahn Cloppenburg
Um das Gebiet um Cloppenburg mit einem Bahnanschluß zu versehen, damit die landwirtschaftlichen Produkte besser abgesetz werden konnten, gründeten die betroffenen Gemeinden den Bahnverband Cloppenburg. am 11.1.1900 wurde dann der erste Abschnitt Cloppenburg-Kleinenging in 750mm Spurweite eröffnet. Am 1.11.1900 folgte die Verlängerung bis Lindern, 1902 der letzte Abschnitt bis zum Bahnhof Landesgrenze.
Obwohl die Hümmlinger Kreisbahn ihren Endbahnhof nur etwa 2km weiter in Werlte hatte, kam es nie zum erhofften Lückenschluß. Die Bevölkerung sprach hier immer vom "Werlter Loch".
Der Personenverkehr spielte immer eine untergeordnete Rolle, hauptsächlich wurden Holz, Kunstdünger und landwirtschaftliche Erzeugnisse befördert.
Im Laufe der Zeit waren mehrere dreifach gekuppelte Dampflokomotiven und auch ein Schienenbus der Bauart Wismar im Bestand. Der Betrieb wurde von dem Bahnverband geführt, von 1937-1949 von der Hümmlinger Kreisbahn. Zu Beginn der 1950er Jahre wurde die Konkurrenz des Straßenverkehrs so groß, daß die Einstellung des Betriebes 15.4.1954 erfolgte. Anschließend wurde die Strecke abgebaut, der Fahrzeugpark verkauft oder verschrottet.
Kleinbahn Lohne-Dinklage
Auch die Gemeinde Dinklage blieb zunächst von einem Bahnanschluss ausgenommen. Daher wurde von der Gemeinde die Kleinbahn gegründet und eine Strecke zu Anschluß an die Staatsbahn in Lohne gebaut. Der Bau wurde vom oldenburgischen Staat zu einem Drittel finanziert. Am 15.11.1904 konnte der Betrieb aufgenommen werden. Die Betriebsführung lag bei der G.O.E.
Mehrere Industriebetriebe in waren neben der Landwirtschaft die Hauptnutzer der Bahn. Der Personenverkehr wurde am 22.5.1954 eingestellt, seit 1956 findet kein kleinbahneigener Zugverkehr mehr statt. Seitdem wurde der verbliebene Verkehr von einer Kleinlok des Bahnhofs Lohne abgewickelt.
Die Kleinbahn besaß im Laufe der Zeit vier Dampflokomotiven, die von der G.O.E. übernommen wurden. Dies waren zwei Loks der Gattung T1.2, die 1931 ausgemustert wurden, sowie zwei T2, die von 1931 bis 1955/56 im Einsatz standen.
Butjadinger Eisenbahn
Kleinbahn Zwischenahn-Edewecht (-Edewechterdamm)
Die Gemeinde Edewecht hatte beim Bau der Bahn von Oldenburg nach Leer keinen Anschluß erhalten. Um diesen Mißstand zu beheben, beschloß man, eine eigene Kleinbahn zum Staatsbahnhof in Zwischenahn zu bauen. Der Bau der 7km langen, normalspurigen Strecke wurde vom Staat Oldenburg finanziell unterstützt. Die Bahn konnte am 15.12.1912 eingeweiht werden. Am 1.10.1920 konnte die etwa 5km lange Verlängerung nach Edewechterdamm eröffnet werden, wo sich umfangreiche Torfverladeanlagen befanden.
Der Betrieb auf der Strecke wurde durch die G.O.E. geführt, später durch die Deutsche Reichsbahn bzw. Deutsche Bundesbahn. Der Personenverkehr auf der Strecke war nie von Bedeutung, der Güterverkehr hingegen, insbesondere nach der Eröffnung der Verlängerung nach Edewechterdamm beträchtlich. Durch Verlagerung dieser Transporte auf die Strasse wurde die Bahn allerdings zunehmend entbehrlich. In den 1990er Jahren erfolgte dann die Einstellung des Betriebes und der Abbau der Gleise. Heute befindet sich auf der Strecke ein Rad- und Wanderweg.
Die Kleinbahn besaß eigene Fahrzeuge, darunter insgesamt 4 Dampflokomotiven, die teilweise von der G.O.E. übernommen wurden. 1958 kam eine dreiachsige Jung-Diesellok hinzu, nach deren Inbetriebnahme wuden die noch vorhandenen Dampflokomotiven ausgemustert und verkauft.
Kleinbahn Vechta-Cloppenburg
Um eine direkte Bahnverbindung zwischen Vechta (Strecke Delmenhorst-Hesepe) und Cloppenburg (Strecke Oldenburg-Osnabrück) zu schaffen, taten sich die Amtsverbände Cloppenburg und Vechta sowie die interessierten Gemeinden zusammen um eine Bahnlinie zu bauen. Am 8.5.1914 wurde die Strecke Vechta-Schwichteler eröffnet, am 6.6.1914 war die gesamte Strecke durchgehend befahrbar. Die Betriebsführung der normalspurigen Strecke lag beim Bahnberband Cloppenburg, von dem auch die schmalspurige Cloppenburger Kleinbahn betrieben wurde.
Die Bahn erschloß ein landwirtschaftlich geprägtes Gebiet, entsprechend groß sind auf den Unterwegsbahnhöfen die Güterbehandlungsanlagen ausgefallen. Der Personenverkehr spielte eine eher untergeordnete Rolle.
Der Personenverkehr wurde bereits am 5.10.1952 eingestellt, die Gesamteinstellung erfolgte am 30.11.1965. Dies war auch bedingt durch den Bau der Autobahn A1, die die Strecke kreuzte. Ein teures Brückenbauwerk erschien angesichts der geringen Nutzung der Strecke nicht lohnend. Nach Einstellung des Betriebes wurden die Gleise abgebaut, der Bahnkörper, die Anlagen und Gebäude sowie die Fahrzeuge verkauft.
Die Bahn besaß zunächst drei kleine Hanomag-Dampfloks (zwei C- und eine B-gekuppelte)sowie später drei der von Hohenzollern an die G.O.E. gelieferten B-gekuppelten G1. 1962 kam noch eine zweiachsige Diesellokomotive zu der Bahn. Kurz nach dem ersten Weltkrieg tauchte ein ex würtembergischer Kittel-Dampftriebwagen auf, der aber bereits 1925 wieder ausgemustert wurde.
Ankum-Bersenbrücker Eisenbahn
Die Eigentümer der Ankum Bersenbrücker Eisenbahn waren das Land Preußen und die Provinz Hannover, der Landkreis Bersenbrück und die Gemeinde Ankum. Der Betrieb auf der normalspurigen Strecke wurde gemeinsam von der G.O.E. und der Gesellschaft erbracht.
Die Bahn wurde für den Güterverkehr am 2.8.1915 eröffnet, die Freigabe für den Personenverkehr folgte erst nach dem ersten Weltkrieg am 1.8.1919.
Der Hauptzweck der Bahn bestand im Anschluß der Gemeinde Ankum an die Staatsbahnstrecke. Es wurden hauptsächlich landwirtschaftliche Erzeugnisse, Brennstoffe und Kunstdünger sowie Schlachtvieh transportiert.
Am 30.9.1962 erfolgt die Einstellung des Personenverkehrs auf der Strecke.
Im Bestand der Bahn befanden sich zwei B-gekuppelte Dampflokomotiven, nach dem zweiten Weltkrieg kam eine Diesellok aus Wehrmachtsbeständen zu Bahn. Auch je ein Triebwagen der Bauart Gotha und Wismar waren zeitweise im Einsatz.